Aus gegebenem Anlass schreibe ich hier mal ein paar Gedanken rund um das Thema Standardsoftware für euch auf. Standardsoftware, was ist das eigentlich? Wikipedia definiert diese als “Softwaresysteme… mit klar definiertem Anwendungsbereich, die als Produkte erworben werden können.” Eine schöne Definition. Das Problem dabei ist, dass Softwareanbieter ihre Software oft als Standardsoftware bezeichnen, auch wenn diese bisher nur bei zwei Kunden installiert und bei beiden noch nicht im produktiven Betrieb genutzt wird. 🙁

Lass dich nicht ver☠↯★schen beim Softwarekauf!

Warum schreibe ich das hier? Weil der oben genannte Umstand dazu führt, dass Unternehmen Millionen und Milliarden (kein Witz!) in die “schnelle Anpassung” von vermeintlicher “Standardsoftware” investieren. Selbst solche irrsinnigen Summen in Milliardenhöhe sorgen aber noch lange nicht für eine Zufriedenheitsgarantie der späteren Nutzer.

Wie oft habe ich von Anbietern im Rahmen von Softwareausschreibungen, die ich als Berater und Projektleiter begleitet habe, Sätze wie die folgenden gehört:

“Selbstverständlich können wir unsere Software für Sie ganz individuell anpassen.”

“Gar kein Problem, das programmieren wir Ihnen schnell in unsere Standardsoftware hinein.”

Vorsicht bei solchen Sätzen, denn diese schnell dahingesagten Sätze sorgen oft für Missverständnisse.

Zum Hintergrund ein wenig zum Dilemma, wenn man für sein Unternehmen eine Softwarelösung sucht:

Entweder möchte man eine Standardlösung, welche alle oder zumindest den Großteil der eigenen Anforderungen abdeckt. Oder man möchte eine für seine speziellen Anforderungen entwickelte Individualsoftware, da die eigenen Anforderungen so einmalig auf der ganzen Welt sind, dass diese bisher noch niemand in einer Standardsoftware berücksichtigt hat.

Einen interessanten Artikel dazu gibt es auch von meiner Frau Sabine mit dem Titel “Ich programmier’ dir ‘was, programmieren macht so viel Spaß!”

Kein Problem, so lange man dies genau trennt!

Wenn man eine Standardsoftware durch Programmierung auf seine eigenen Bedürfnisse anpasst, dann beginnt oft das Unheil. Der Vorteil einer Standardsoftware liegt darin, dass sie z.B. aufgrund einer breiten Nutzerbasis konfigurierbar ist und sich damit an viele Anforderungen auf Nutzerseite anpassen lässt. Denn dann (und nur dann) ist auch sichergestellt, dass man die Weiterentwicklungen der Standardsoftware auch nutzen kann, indem man zu einem späteren Zeitpunkt das bestehende System auf eine neue Version aktualisiert.

Wenn man hingegen aber sogenannte “Sonderlocken” in die Standardsoftware hereinprogrammieren lassen hat, dann nimmt das Übel seinen Lauf. Warum? Ganz einfach: Softwareentwicklung ist ein sehr komplexes Geschäft und jede noch so kleine Sonderfunktion muss kontinuierlich weiterentwickelt und verwaltet werden. Dies verursacht oft einen zu Beginn vollkommen unterschätzen Aufwand.

Wie kann es soweit kommen?

Mein Verständnis von guter Beratung beim Softwarekauf ist, dass der Softwareanbieter auch mal “Nein” zu bestimmten Kundenanforderungen sagen sollte, wenn diese nicht in das Gesamtkonzept und die zukünftigen Planungen für die Weiterentwicklungen passen. Natürlich sollte er trotzdem so flexibel sein gute Anregungen von Kundenseite aufzunehmen.

Aber warum werden dann irrsinnige Geldbeträge in diesem Umfeld verbrannt? Es soll “gelegentlich” schon einmal vorgekommen sein, dass ein Softwareanbieter oder dessen Vertrieb dem Kunden das Blaue vom Himmel versprochen hat, um den Auftrag zu gewinnen. Leider scheint dabei oft der kurzfristige Erfolg mit entsprechender Provision die langfristige Strategie zu schlagen. 🙁

Was kannst du tun, damit dir so etwas nicht passiert?

  • Werde hellhörig, wenn ein Softwareanbieter immer “ja und Amen” zu deinen Wünschen sagt. Sagt er “nein”, so sei ihm nicht böse, sondern lass dir genau erklären, warum er diesen Wunsch von dir so nicht umsetzen kann bzw. möchte.
  • Frage genau nach, wenn jemand für dich z.B. eine WordPress-Webseite aufsetzen will und immer davon spricht, dass diese Seite “programmiert” werden muss. WordPress ist millionenfach im Einsatz und kann vollkommen ohne Programmierung in Betrieb genommen werden. Sicherlich kann man die Standardfunktionen auch durch Plugins etc. erweitern. Diese Erweiterungen sind aber gekapselt und stören nicht die Möglichkeit z.B. Sicherheitsupdates einspielen zu können.
  • Wenn du eine Standardsoftware, z.B. für dein CRM oder dein Beschwerdemanagement kaufen möchtest und es gibt auf deiner Seite Anforderungen, die die Standardsoftware (noch) nicht abdeckt, dann gehe in dich und frage dich wirklich sachlich, neutral und ohne Fremdeinfluss, ob diese Funktionen wirklich so wichtig sind, dass du das Risiko eines enormen Kostentreibers eingehen willst.
  • Wenn dir persönlich oder den Kollegen in deiner Abteilung das entsprechende IT-Know-how fehlt, um die die blumigen Versprechen mancher Softwareanbieter deuten zu können, dann lasse dich bei diesem Softwareauswahlprozess begleiten.

Ich freue mich auf deine Kommentare und Anmerkungen zu diesem Beitrag. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder siehst du es ganz anders?

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