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Praxis-Tipps, um die eigenen Mitarbeiter zu motivieren! Unter anderem durch Verständnis, Vertrauen, (Fehler) machen lassen und viele weitere Tipps!

Im lockeren Gespräch über moderne Wege der Mitarbeitermotivation jenseits von Gehaltserhöhungen!

Die Shownotes zu dieser Podcastfolge

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Oliver Ratajczak: Hallo. Schön, dass du heute wieder dabei bist bei einer neuen Ausgabe von “Auf einen Kaffee mit”. Viele Leute denken bei meinem Firmennamen, dass ich mich ausschließlich mit Projekten von Unternehmen in Richtung Kunde und zurück kümmere. Stimmt jedoch gar nicht. Zumindest fünfzig Prozent, sage ich mal, kümmere ich mich ebenfalls darum, dass die Mitarbeiter gut miteinander arbeiten können und motiviert sind. Genau zu diesem Thema habe ich heute jemanden eingeladen. Einen sehr netten Gast. Ich treffe mich heute auf einen Kaffee mit Florian Werner. Hallo Florian.

Florian Werner: Hallo Oliver, grüße dich.

Oliver Ratajczak: Freu mich, dass es endlich geklappt hat und wir es hinkriegen, diesen Podcast aufzunehmen.

Florian Werner: Ich freue mich ebenfalls.

Wer ist Florian Werner aus Cham?

Oliver Ratajczak: Erzähl ein bisschen was zu dir. Was steht auf deiner Karte? Was steht auf deiner Webseite? Erzähl doch mal.

Florian Werner: Ja. Auf meiner Karte steht in erster Linie links oben der Firmenname. Das ist die Agentur Dreibein. Wir sind eine Werbeagentur. Stell dir einfach Deutschland vor. Ganz rechts unten sozusagen sitzen wir. Das heißt, tiefste Oberpfalz. Gestartet sind wir als Werbeagentur. Mittlerweile verstehen wir uns als Agentur für strategisches Design und Enterprise Websites. Wir machen alles, was im Web stattfindet, was relativ groß ist, was ein bisschen spezieller ist, wenn es Richtung Quartale geht und ähnliches. Im Bereich Design viel Konzeption, viele Ideenfindungen für unsere Kunden, die im Bereich Industrie zum Beispiel, Gastronomie größtenteils beheimatet sind und mittlerweile auf ganz Deutschland verteilt sind. Wir haben ein Team aus mittlerweile 14 Mitarbeitern. Die sitzen alle zentral bei uns hier im Standort in Cham.

Oliver Ratajczak: Schön. Zum Thema Dreibein. Da hattest du noch eine lustige Geschichte erzählt. Habe ich gesagt, Dreibein, Dreibein, und dann hast du erzählt

Florian Werner: Ja. Wir kriegen diese Frage relativ häufig gestellt. Gerade beim Ersttermin bei Neukunden, die dann fragen, Dreibein, ganz ehrlich, wie seid ihr denn auf diesen Namen gekommen. Die Geschichte dahinter ist eigentlich ganz einfach. Und zwar, wenn man unser Logo um neunzig Grad dreht, bekommt man einen Melkschemel. Was ist das Besondere an einem Melkschemel? Ein Stuhl mit vier Beinen kann wackeln, mit zwei fällt er um und mit drei steht er immer stabil. Wir sagen immer, genauso soll es im Marketing sein. Egal, wie stark der Mitbewerber oder wie bewegt der Markt ist, das eigene Marketing sollte immer stabil auf drei Beinen stehen. Das Schöne an diesen Geschichten ist natürlich, wir als Menschen, wir merken uns Geschichten unglaublich gut. Wenn ich dich entsprechend morgen frage, du weißt es noch. Wir haben uns, glaube ich, vor ein paar Wochen oder Monaten getroffen, und du weißt es wahrscheinlich immer noch.

Oliver Ratajczak: Ja, klar 🙂 . Und ich fand das schön, weil es eben genau um diese Geschichten geht. Deswegen fand ich das so nett. Obwohl ich, glaube ich, in Erinnerung habe, dass es ebenfalls Melkschemel gibt, die eigentlich nur ein Bein haben, die man sich umschnallt. Das ist dann ebenfalls wieder schwierig 🙂

Florian Werner: Ja, das stimmt. Du sollst dir dein Marketing jedoch nicht auf den Rücken schnallen.

Oliver Ratajczak: Gut. Für alles eine Antwort. Genau. Du hattest gesagt, wir haben uns kennengelernt vor ein paar Monaten, gefühlt war das jetzt. Das war eine Onlinemarketing Konferenz, auf der ausschließlich die Geschäftsführer von Onlineagenturen sozusagen waren. Ich habe da einen Vortrag gehalten.

Florian Werner: Genau.

Viele Tipps zur Mitarbeitermotivation!

Oliver Ratajczak: Wir sind gleich ins Gespräch gekommen und du hast mir … also jeder hat so erzählt, was macht ihr so und ich habe erzählt, Kundenbrille, jedoch ebenfalls Zusammenarbeit der Mitarbeiter. Dann sind wir relativ schnell ins Gespräch gekommen und du hast mir ziemlich witzig erzählt, wie du deine Mitarbeiter behandelst oder was du manchmal so mit denen machst 🙂  Weißt du noch das Beispiel? Das war irgendwas mit einem Kino.

Florian Werner: Ja. Es gibt da ganz, ganz verschiedene Beispiele, die wir machen. Im Prinzip ist die Herausforderung, es heißt immer, man muss seine Mitarbeiter nicht motivieren, sondern man darf sie nur nicht demotivieren. Ich finde jedoch, dass man die in gewisser Weise immer mal wieder positiv an seine Firma erinnern darf. Wir gehen da Wege wie zum Beispiel, wenn wir wissen, dass Kollegen entsprechend, ja, mal beim Essen sind, wo du entsprechend dann einfach mal anrufst und sagst, hey, ich weiß, dass meine beiden Kollegen oder der Kollege mit deren Begleitung sozusagen gerade irgendwo hinten bei euch auf einem Tisch sitzt, ich lass denen einfach mal einen Cocktail spendieren oder ich lasse vielleicht einfach mal eine Nacht in einem Wellnesshotel springen, wenn ich weiß, dass die entsprechend jetzt schon lange, lange Zeit nicht mehr viel voneinander hatten, weil der Kollege zum Beispiel nebenbei ein Studium macht oder ähnliche Geschichten. Wo du einfach immer wieder schaust, wie kannst du dich als Arbeitgeber einfach positiv in deren Leben, ja, einbringen sozusagen.

Oliver Ratajczak: Total krass. Also ich habe damals ebenfalls dagesessen, wie soll ich sagen, du hast aus den Augen gestrahlt und hast das erzählt. Da habe ich gedacht, das scheint kein Marketinggespräch zu sein, der Mann lebt das wirklich. Das war ebenfalls der Grund, warum ich gesagt habe, lass uns mal in meinem Podcast sprechen. Ich glaube, das ist ein Problem oder eine Herausforderung, die ich da draußen sehr, sehr selten sehe. Also, dass sozusagen Mitarbeiter noch einen Bezug zu Unternehmen haben oder das Unternehmen den pflegt, außer einmal im Monat das Geld überweisen zu lassen. Erlebe ich leider viel zu oft.

Florian Werner: Es ist schwierig, finde ich. Es ist ja so, wenn du einen Mitarbeiter motivieren willst, wie machst du es klassischer Weise? Du überzeugst ihn irgendwie klassischer Weise mit mehr Gehalt, mit Bonusleistungen und so weiter. So. Was passiert dann? Du gibst dem mehr Gehalt, im ersten Monat, juhu, ich freue mich. Was passiert im zweiten Monat? Naja, die Freude geht bereits zurück. Was passiert vielleicht nach zwölf Monaten? Oh, warum kriege ich denn jetzt keine Gehaltserhöhung mehr? Dann demotivierst du den plötzlich mit eigentlich einer Intension, die positiv war. So was finde ich immer ganz, ganz gefährlich. Klar, du sollst Gehälter zahlen, die deinen Mitarbeiter im Endeffekt motivieren, die ihm ein gutes Leben ermöglichen. Ich finde jedoch immer, mit Geld motivieren ist ganz, ganz, ganz gefährlich. Genauso mit Freizeit motivieren. Klar, du freust dich über einen freien Tag. Meine Mitarbeiter haben heute zum Beispiel einen Brückentag. Da freut sich jeder drüber. Das ist sinnvoll. Heute erreichen wir von unseren Kunden fast keinen. Wenn du dann jedoch irgendwie probierst über zusätzliche Bonustage oder ähnliches den Mitarbeiter zu motivieren, ich finde das ganz, ganz schwierig. Jedoch über so kleine emotionale Geschichten, wo du dir als Mitarbeiter denkst, hey, ich bedeute dem was, ich bedeute der Firma was, da, finde ich, kannst du viel, viel mehr Eindruck beim Mitarbeiter hinterlassen.

Oliver Ratajczak: Ja. Da könnte jetzt natürlich eine böse Stimme sagen, ja, einmal im Jahr einen Cocktail ausgegeben ist natürlich billiger als eine Gehaltserhöhung 🙂

Florian Werner: 🙂 Ja, korrekt. Das ist natürlich so. Es bleibt jedoch nicht bei diesem einen Cocktail. Ich finde, du musst außen rum natürlich ebenfalls schauen, was es braucht. Ich könnte dir jetzt hier wirklich zahlreiche Beispiele aufstellen.

Oliver Ratajczak: Ja, mach doch mal.

Florian Werner: Gerne 🙂 Was du innerhalb der Firma machen solltest. Ein ganz, ganz großer Fan bin ich zum Beispiel von, holt euch Stehtische. Holt euch Stehtische für eure Mitarbeiter. Ich glaube, wir haben jetzt/ doch, stimmt nicht. Wir haben einen einzigen Arbeitsplatz. Das ist jedoch unser Fotograf. Der spring quasi die ganze Zeit hoch und runter. Ansonsten haben wir überall Stehtische. Ich finde, das ist eine Investition in den Mitarbeiter, die musst du mittlerweile als Unternehmen machen. Genauso holt euch ordentliche Stühle. Das geht natürlich noch viel weiter im Bereich der Mitarbeitermotivation, wo du sagst, kostenlose Getränke, kostenloser Kaffee. Jeden Mittwoch gibt es bei uns kostenloses Obst vom Bio-Bauern. Das sind einfach mittlerweile Selbstverständlichkeiten. Und klar, der Cocktail ist das eine, das Außen rum ist das andere. Das Gefährliche an diesem Außen rum ist immer, es wird irgendwann normal. Und um dieses Normale quasi irgendwo ein bisschen weg zu bekommen, musst du schauen, wie kannst du aus diesem normalen ab und zu mit so einem kleinen Peak herausstechen. Der muss nicht immer viel kosten. So ein Cocktail, der kostet nichts. Im Vergleich zu dem, wo der Mitarbeiter weiß, was du dann für einen Aufwand dahinter hast. Das heißt, du musst erst mal rausfinden, wo geht der heute Abend hin, wo sitzt der, wen könntest du anrufen. Und das ist das, was der Mitarbeiter eigentlich sehr, sehr viel mehr schätzt als das, was am Schluss vielleicht entsprechend übrigbleibt. Oder, wir hatten letzte Woche zum Beispiel eine Mitarbeiterin die krank war, wo wir gesagt haben, komm, wir schicken ihr jetzt einfach mal einen Blumenstrauß heim und wünschen ihr einfach gute Besserung und sagen ihr, hey, wir denken noch an dich. Das ist, ich glaube, lass mich lügen, zwanzig, dreißig Euro, was dieser Blumenstrauß kostet. Der Gedanke, hey, wir denken an dich, hey, wir freuen uns wieder, wenn du da bist, das ist doch viel, viel, viel mehr wert als diese paar Euro.

Das Zusammenspiel mit Mitarbeitern und Kunden ist wichtig!

Oliver Ratajczak: Glaube ich ebenfalls. Vor allen Dingen, es ist eine wirkliche Beziehung zum Kunden. Das Thema, was ich immer habe, ist, dass viele Unternehmen die Beziehung zu ihrem Kunden verlieren. Viele Unternehmen, beobachte ich ebenfalls, verlieren eigentlich die Beziehung zu ihren Mitarbeitern.

Florian Werner: Du musst beides gewährleisten.

Oliver Ratajczak: Ja, genau.

Florian Werner: Ich finde, du musst gewährleisten, dass der Mitarbeiter sagt, ich habe richtig Bock. Du musst jedoch ihm ebenfalls zeigen, für was er Bock haben sollte, inwieweit er dem Kunden mit seinem Tun hilft. Das ist natürlich ebenfalls das Wichtige. Du kannst nicht sagen, lieber Mitarbeiter komm her, lass dich ein bisschen bauchpinseln, heute kommt übrigens ein Masseur vorbei. Das ist alles gut und nett. Am Ende des Tages muss der Mitarbeiter ebenfalls wissen, wofür er das macht. Das finde ich ganz wichtig. Ihn nicht nur damit zu motivieren, dass du sagst, du hast hier ganz viele Benefits, sondern ebenfalls zu sagen, wenn du motiviert bist, bringst du dem Kunden das und das. Das ist das, was am Schluss die Win-Win-Situation für mich als Unternehmer schafft und für ihn als Mitarbeiter.

Oliver Ratajczak: Genau. Das beobachte ich jedoch in größeren Unternehmen oft eben nicht, dass sozusagen das Endergebnis der Arbeit manchmal auf sieben Abteilungen so zersplittert ist, dass die Einzelnen gar nicht mehr wissen, was sie wirklich beitragen. Deswegen fehlt manchmal sozusagen der Stolz auf die eigene Arbeit.

Wer kennt den genauen Ablauf einzelner Arbeitsschnitte?

Florian Werner: Ja. Das stimmt. Was wir hier ganz explizit eingeführt haben, übrigens die Einladung wirklich an alle Hörer, macht das nach, das ist so eine mega kleine Investition, die so viel bringt  🙂 Wir haben unsere … also eigentlich kommen die aus den Staaten, heißen Cards of Honor. Sind eigentlich nur so etwas größere Visitenkarten, Format, ich glaube, A7. Hinten stehen nur drei freie Felder drauf. Für, von, mein kleines Dankeschön an dich. Bei uns heißen die nicht Cards of Honor, sondern wir sind intern ein bisschen rauer, ein bisschen direkter im Umgangston. Da heißt es, ein geiler Scheiß. Wir machen es so, beziehungsweise wir machten es so, dass wir quasi Montag jeweils fünf Karten ausgeteilt haben. Bis Freitag durfte quasi jeden Tag eine geschrieben werden. Das ist das. Genau dieses Denken, dass du den Kunden aus den Augen verlierst, um das wieder ein bisschen zurück zu führen. Dass einfach ein anderer Kollege, der mir sagt, du, vielen Dank, dass du das gemacht hast, das hat es mir jetzt sehr viel leichter gemacht, bei dem Kunden dieses Projekt zum Beispiel einzuführen und ähnliche Punkte. Da ist es jedoch so, wir werden diese Thematik ein bisschen ändern. Es wird sich wahrscheinlich auf eine Karte in der Woche reduzieren, weil du natürlich immer schauen musst, solche Geschichten werden dann ebenfalls wieder normal. Das heißt, du freust dich dann nicht mehr so sehr über die Karte, sondern denkst dir, ach, guck mal, schon wieder eine. Da musst du immer dranbleiben und immer dranbleiben.

Oliver Ratajczak: Das ist sozusagen, jeder Mitarbeiter kriegt fünf Karten und die musste er sozusagen an andere Leute vergeben. Habe ich so richtig verstanden?

Florian Werner: Er muss nicht, er sollte. Wenn er das fünfmal in der Woche nicht geschafft hat, sich einmal am Tag bei einem Mitarbeiter zu bedanken, dann, ja, hat er 🙂 grundlegend irgendwas falsch gemacht in dieser Woche. Es war immer dieses, in Bayern sagt man, nicht geschimpft ist gelobt genug sozusagen.

Oliver Ratajczak: 🙂 Das kenne ich.

Florian Werner: Auf gut oberpfälzerisch, ned g’schimpft is g’lobt g’nou. Das ist wirklich ganz, ganz gefährlich. Ich finde allgemein in der momentanen Gesellschaft, wenn du zufrieden bist, sagst du es null Menschen. Wenn du begeistert bist, sagst du es vielleicht zehn Menschen. Wenn du nicht begeistert bist, was machst du dann? Du sagst es dreißig Menschen.

Ist Nicht-Schimpfen eine Art Lob?

Oliver Ratajczak: Ja.

Florian Werner: Das ist eine ganz, ganz gefährliche Situation. Im ganzen Arbeitsalltag sagst du vielleicht, wenn du mit deinem Mitarbeiter zufrieden bist, es sagt dir keiner. Du sagst, ja, der macht einen guten Job, kriegt am Ende des Monats sein Gehalt, ist ja toll. Du musst dem Mitarbeiter jedoch ebenfalls einfach mal sagen, vielen Dank, dass du heute noch zwei Minuten länger geblieben bist und das noch kurz fertig gemacht hast. Das hat mir zehn Minuten gespart. Das sind Kleinigkeiten. Aus dem Grund, diese Cards of Honor sind richtig geil. Man muss entsprechend dranbleiben. Wir haben es jetzt, ich glaube, ein gutes Jahr mittlerweile im Einsatz. Man muss dann ebenfalls schauen. Vielleicht korrigiert man das ein bisschen. Vielleicht macht man die Karten weniger. Vielleicht nutzt man die anders. Vielleicht macht man ein Lobeswort sozusagen am Eingang. Da gibt es ganz verschiedene Varianten für diesen einen Einsatzzweck. Wichtig ist nur, es zu machen. Dem Mitarbeiter zu sagen, für was man ihm dankbar ist und welchen Nutzen er eigentlich seinen Kunden bringt.

Oliver Ratajczak: Finde ich großartig. Das war damals ebenfalls ein Punkt, wo ich gesagt habe, jetzt spätestens, ein zweiter Punkt, wo du bei mir in den Podcast musst. Das tut man so selten, einfach mal zu sagen, Danke, weil.

Florian Werner: Mhm (zustimmend).

Oliver Ratajczak: Das geht manchmal im Tagesgeschäft unter. Keiner hat irgendwie Zeit. Alle hetzen hin und her und außerdem hat man dreihundert E-Mails im Posteingang und dann bleibt das über.

Florian Werner: Ja, das stimmt.

Oliver Ratajczak: Wie ist das bei euch? Seid ihr ganz entspannt bei der Arbeit, deswegen bleibt dann Zeit für so einen Kokolores? Das war jetzt ein O-Ton von jemanden, an den ich gerade denken muss, der einen relativ harschen Führungston hat. Der würde wahrscheinlich so was sofort sagen. Was soll der Quatsch, können die gerne in ihrer Freizeit machen.

Florian Werner: Ja. Tatsächlich ganz im Gegenteil. Wir sind Werbeagentur. Wer Agenturen kennt oder da bereits gearbeitet hat, weiß, dass es teilweise ganz schön stressig werden kann. Gerade, wenn es irgendwie vor einem Launch steht oder ähnliches. Wenn du weißt, morgen geht ein großes Projekt online oder du hast eine große Printkampagne, die an den Start geht. Du hast in dem Moment, da braucht man nicht lügen, richtig Stress. Das geht den Mitarbeitern ebenfalls so. Wichtig ist, dass du entsprechend … es gibt Stress und es gibt Stress. Es gibt positiven Stress und es gibt negativen Stress. In dem Moment, wo du vorher dieses Team-Gefühl aufgebaut hast, dieses Gefühl der Dankbarkeit, wo jeder jedem Kollegen quasi vertraut, dann kann so ein Stress sehr, sehr schnell ins Positive schwappen. Dann macht das denen Spaß. Dann ist das richtig cool. Es ist ebenfalls so, wenn du Kindern beim Fußball spielen zuschaust, die sind in der 85. Minute und es steht eins zu zwei, klar haben die stress 🙂  die haben jedoch ebenfalls positiven Stress. Das heißt, die freuen sich, die sind voll dabei. Genauso finde ich, muss es in der Firma ebenfalls zugehen. Klar kannst du Stress haben. Wenn du vorher ein paar Minuten investiert hast, ist dieser Stress vielleicht positiv und Mitarbeiter sind vielleicht proaktiver. Das heißt, sie sorgen bereits im Voraus dafür, dass vielleicht dieser Stress gar nicht entsteht. Da muss einfach entsprechend dahinter geblieben werden. Es bringt nichts, sich im Nachhinein aufzuregen. Ich muss immer schauen, was kann ich vorher dagegen tun. Wie kann ich vorher diesen Teamzusammenhalt stärken, dass dieser Stress vielleicht dennoch positiv wahrgenommen wird.

Oliver Ratajczak: Kann ich verstehen. Finde ich super. Genau das wäre ebenfalls der richtige Einwand für den Herren, an den ich da gerade denke, der hoffentlich hier zuhört. Dann hört er es schon gleich 🙂

Florian Werner: Also es ist natürlich die Traumvorstellung. Du musst natürlich entsprechend schauen, wie ist es bei manchen Projekten. Das kann bei uns ebenfalls mal vorkommen, dass du entsprechend mal einen Tag zwei, drei Stunden länger bleiben musst. Wir waren vor, boah, lass mich lügen, ich glaube, zwei, drei Wochen, auf einer coolen Veranstaltung, wo es um das Thema Work-Life-Balance ging. Der hat einen schönen Spruch gebracht. Wenn du als Kind auf der Wippe warst und du warst mit deinem Gegenüber auf der Wippe im Gleichgewicht und du warst wirklich genau auf einer Ebene, du hast dich nicht rauf und runter bewegt, hast du dann jemals zu deinem Gegenüber gesagt, du, geiler Tag mit dir, super. Nein. Du brauchst Abwechslung. Du musst mal rauf, du musst mal runter. Ich finde, genauso soll es im Job sein. Klar hast du Stressphasen. Es ist natürlich ebenfalls geil. Du musst jedoch natürlich ebenfalls deine Phasen haben, wo du solchen Kokolores, in Anführungszeichen, mal machen kannst. Wo du vielleicht mal sagst, komm, wir lassen heute die Arbeit ein bisschen liegen, wir gehen vielleicht, werden wir Montag machen, zum Beispiel auf ein Frühlingsfest, gemeinsam mit dem Team. Klar kostet es ein paar Minuten Zeit, das ist es jedoch definitiv wert. In den Stressphasen holst du das locker wieder rein.

Welchen Bezug haben deine Mitarbeiter zum Unternehmen?

Oliver Ratajczak: Sehe ich genauso. Ist genau das, was ich beobachte. Dennoch gibt es in vielen Unternehmen, wie soll ich sagen, ab einer bestimmten Größe habe ich so das Gefühl, Mitarbeiterschaft entkoppelt sich manchmal vom Unternehmen. Die kriegen einmal im Monat das Gehalt gezahlt und dann weiß man, wo man hingeht, im Zweifelsfall. Manchmal arbeiten ja viele … klassische Unternehmensberatungen, die großen, da arbeiten die Mitarbeiter ebenfalls beim Kunden vor Ort und kommen einmal im Monat vielleicht ins Büro. Da ist es gerade super wichtig, dass man die Beziehung hinkriegt, zum Unternehmen.

Florian Werner: Auf jeden Fall.

Oliver Ratajczak: Und sich da vor allen Dingen mal Gedanken drum macht.

Florian Werner: Das sind immer die größten zwei Unternehmenskiller, M und M´s, also Meetings und Manager 🙂 , wo man immer an diese Punkte denken muss. Ich kann dir da voll beipflichten. Wir gehen ja ebenfalls als Agentur relativ viel bei Kunden ein und aus. Du spürst es. Du spürst es, wenn du in diese Unternehmen gehst. Du merkst, du gehst durch die Tür rein und weißt, da sitzt irgendwo einer mit der Handbremse und zieht daran. Du merkst ebenfalls, andere Unternehmen, das hat nicht unbedingt was mit der Größe zu tun, sondern meistens tatsächlich mit den Managern, die da oben drüber sitzen, mit der Führungsebene, die das vielleicht vorlebt. Du gehst rein, du hast eine ähnlich große Firma und die sprüht vor Energie. Das merkst du eigentlich bereits in dem Moment, wo du dieses Büro betrittst. Ich kann dir nicht sagen, warum. Diese Firmen umgibt eine gewisse Aura. Du weißt genau, die reißen was.

Oliver Ratajczak: Das kenne ich. Das beobachte ich in letzter Zeit öfter. Die Firmen fahren ins Silicon Valley, sehen, das übliche Beispiel, da hängen überall Hängematten rum und alles ist bunt. Also streicht man den Konzern hier ebenfalls bunt an und hängt Hängematten rein. Da ändert sich nichts. Das ist genau das Ding. Man muss es leben und nicht irgendwie einen Anstrich verpassen oder so.

Florian Werner: Genau. Da gibt es dieses typische, hey, lass uns agil arbeiten, wir kaufen uns erst mal einen Kicker.

Oliver Ratajczak: Ja, genau.

Florian Werner: Es ist eine nette Idee. Ganz ehrlich, denk das mal weiter. Wir haben jetzt zum Beispiel relativ offene Büroräume. Wenn wir da einen Kicker reinstellen, ist das vielleicht ganz geil. Es hält jedoch die meisten anderen Kollegen effektiv wahnsinnig von der Arbeit ab, wenn es da oben die ganze Zeit klickert. Solche Geschichten musst du dir halt überlegen. Was macht Sinn. Was macht keinen Sinn. Mitarbeiter nur zu motivieren, indem du ein schönes Arbeitsumfeld schaffst, ist toll, jedoch musst du immer alle Schritte abdecken. Du darfst entsprechend nicht nur die eine Richtung trainieren. Du musst entsprechend schauen, dass du dein Team in allen Bereichen trainierst. Dann wird das Ganze entsprechend erfolgreich.

Offene Büroräume sind wichtig, oder?

Oliver Ratajczak: Das ist halt Arbeit 🙂  Das geht nicht so, jetzt machen wir Plan 7b und dann geht das die nächsten zehn Jahre. Man muss dauernd nachkorrigieren. Sagst du selber, dass ihr die Karten … vorher waren es zu viele, jetzt ist es nur noch eine, aber mal weiter. Man probiert rum.

Florian Werner: Ja, genau. Ich finde, du musst da immer dranbleiben. Es gibt aus dem Bereich der Pflanzen, bin ich ein großer Fan davon, es gibt diese Engpasstheorie. Die Engpasstheorie besagt quasi, dass eine Pflanze beliebig viel von allen anderen Nährstoffen haben kann, wenn ein einziger fehlt, wird diese Pflanze nicht weiterwachsen. Genauso finde ich, ist es in einem Unternehmen. Du hast immer einen Engpass. Dieser Engpass kann zum Beispiel sein, vielleicht sogar die Hängematte. Er kann jedoch ebenfalls einfach sein, das Bedürfnis nach Lob, das Bedürfnis nach Anerkennung, die freie Zeiteinteilung oder ähnliches. Das ist immer so der Punkt. Wo ist gerade mein Engpass. Dann muss ich an diesem dranbleiben. Das ist das, was viele große Unternehmen meiner Meinung nach tatsächlich oft falsch machen. Dass sie ganz viel von cooler Umgebung, von coolem Flair in die Büroräume reinbringen, jedoch ihr Engpass vielleicht eigentlich ganz wo anders liegt. Das kann vielleicht das Bedürfnis nach Anerkennung sein. Das befriedigst du nicht mit einer Hängematte.

Oliver Ratajczak: Wie wahr, wie wahr. Das hätte man nicht schöner sagen können. Das Verrückte ist, ich stelle mir jetzt eine ketzerische Frage, wer ist eigentlich für das Wohlgefühl der Mitarbeiter im Unternehmen zuständig?

Florian Werner: Ganz klare Antwort. Der Unternehmer selber, würde ich sagen. Es gibt mittlerweile Stellen, die heißen da a la Feel good Manager und weiß der Geier was.

Oliver Ratajczak: Was habe ich gehört, das ist nur der neue Name für Personalverantwortlicher.

Florian Werner: :-). Das könnte sein. Wie der Facility Manager für den Hausmeister.

Oliver Ratajczak: Ja, so was.

Ist der Unternehmer für das Wohlbefinden der Mitarbeiter zuständig?

Florian Werner: Ja. Nein. Meiner Meinung nach tatsächlich ganz glasklar der Unternehmer. Der muss das vorleben. Der muss das ebenfalls weitertragen. Es ist für uns gerade momentan wirklich eine große Challenge. Uns gibt es seit 2012. Wir sind jetzt zwar dem Startup Alter entwachsen, jedoch einfach noch nicht allzu alt. Wir sind mittlerweile gut gewachsen. Mit vier, fünf Mann kannst du es noch gut selber machen. Ebenfalls mit sieben, acht. Irgendwann, so mit zehn, elf, kommt so die Grenze. Da musst du so was weitergeben. Du musst das entsprechend deinen Mitarbeitern vorleben und die müssen selber auf solche Ideen kommen. Das ist für uns gerade wirklich eine ganz große Herausforderung. Es geht nicht drum, du kannst dafür keinen Prozess schreiben. Du kannst nicht sagen, ich schreibe einen Prozess, wenn ein Mitarbeiter länger als eineinhalb Wochen krank, schicke einen Blumenstrauß. Ja. Dann ist es nichts mehr Besonderes. Dann fehlt diese komplette Emotion. Das ist was, das finde ich ganz, ganz schwierig, so was weiterzugeben.. Für uns das ebenfalls momentan eine ganz, ganz große Herausforderung, auf die ich dir aktuell gerade keine Antwort geben kann, wie du so was dann machst.

Oliver Ratajczak: Ja. Das hängt ebenfalls von den Menschen ab. Jede Firma ist anders. Da muss man einfach wahrscheinlich gucken und mit logischem Menschenverstand und viel Bauchgefühl rangehen. Schön, wie du sagtest, das ist eben kein Prozess, den man so festschreiben kann.

Florian Werner: Ja, richtig. Ich finde, gerade in der Werbung, wir sind wirklich ganz, ganz massiv auf das Thema Emotionen getrimmt. Jeder kennt es. Jeder sagt, zwanzig Prozent sind rationale Entscheidungen, achtzig Prozent sind emotional. Wenn es darum geht, den Mitarbeiter glücklich zu machen, was machen wir? 🙂 Wir machen rational. Du hast es gerade ganz schön gesagt mit, einfach mal auf den Bauch hören. Ich finde, das ist so ein Erfolgsgeheimnis, wo viele Unternehmer sich nicht trauen, das vielleicht einfach mal auszuprobieren. Einfach mal auf den Bauch zu hören, zu sagen, ich schalte mal den Kopf aus. Ich lasse einfach mal meinen Bauch sprechen und überlege mal, was würde meinen Mitarbeitern guttun, ohne jetzt irgendwelche rationalen Themen da entsprechend wieder reinspielen zu lassen. Weil, dann steht wieder der Kicker oben.

Oliver Ratajczak: 🙂 Ja, ja. Das Verrückte ist, es gibt ja Führungskräfte-Seminare da draußen, wo Führungskräfte lernen, wieder aufs Bauchgefühl zu hören. Wo ich immer denke, was haben die denn die letzten Jahre gemacht. Man kann nicht alles immer in eine Excel-Tabelle quetschen. Kann man vielleicht schon. Ist vielleicht eine Frage des Aufwandes. Im Zweifelsfall ist sie nachher so komplex, dass sie dann wieder keiner richtig versteht. Hat man ebenfalls wieder ein Problem.

Florian Werner: Ja. Excel ist auf dieses Rationale ausgelegt.

Oliver Ratajczak: Ja, ja. Total.

Vergiß nicht das Bauchgefühl!

Florian Werner: Keine Excel-Tabelle dieser Welt berücksichtigt irgendwo ein Bauchgefühl.

Oliver Ratajczak: 🙂 Achte Bauchgefühlfaktor 7b. Da lassen sich kluge Excel-Leute wieder irgendwas einfallen und dann denkt man, man hätte das Bauchgefühl in der Zelle A7.

Florian Werner: Ich habe letztens was gelesen. Ich glaube, der Kopf kann, lass mich lügen, ich glaube 2 KB pro Sekunde, also an Datenmengen verarbeiten. Ich glaube, dein Bauchhirn, in Anführungszeichen, also quasi dein emotionaler Verstand, kann irgendwie 16 MB pro Sekunde verarbeiten. Also das nur mal als quasi, wie schnell kannst du da Entscheidungen treffen. Das heißt, in dem Moment, wo du so eine Excel-Tabelle machen würdest und du würdest Bauchgefühlfaktor 7b reinschreiben, hast du schon darüber nachgedacht, jedoch quasi mit der Zwei-Kilobit-Leitung, wo vorher quasi die 16 … jeder, der sich mit Internet ein bisschen auskennt, der weiß jetzt, wo das Problem liegt 🙂

Oliver Ratajczak: Ja, 🙂 eindeutig. Für die Leute, die sich mit dem Internet und der Geschwindigkeit nicht so auskennen, zwei Kilobit ist nicht so viel.

Florian Werner: Nein .

Oliver Ratajczak: Ja. Das Verrückte ist jedoch, wie soll ich sagen, in manchen Unternehmen ist die Firmenkultur so ein bisschen angstgeprägt sozusagen. Ich muss alles, was ich entscheide, absichern. Ich muss für alles eine Excel-Tabelle haben. Ich muss nachher, falls die Revision mal kommt, sagen können, hier, deswegen habe ich das so entschieden. Wenn die Revision kommt und ich sage, ich habe Monsanto gekauft, weil, ich hatte so ein Bauchgefühl, kann das Diskussionen bei der Aktionärsversammlung auslösen.

Florian Werner: Ja. Das stimmt.

Oliver Ratajczak: Ja. Wie man es macht. Eigentlich ist es ganz einfach. Man muss sich nur mal fragen, wie hätte ich es denn gerne, oder?

Sei als Chef das Vorbild!

Florian Werner: Mhm (zustimmend). Das stimmt. Ich finde, du musst einfach nur mal schauen, welche Vorbilder gibt es im Alltag gerade für solche Maßnahmen, die du da einführst. Ich finde, ein ganz gutes Beispiel ist tatsächlich irgendwo so eine Fahrschule. Was passiert bei einer Fahrschule? Du hast deinen Praxisunterricht. Du sitzt links auf diesem Fahrersitz. Der lässt dich links vorne einsteigen, dieser Fahrlehrer, und setzt sich rechts daneben. Er vermittelt dir aber ein wahnsinniges Gefühl dieser Sicherheit. Das ist viel, finde ich, was Unternehmer häufig falsch machen. Die setzen ihre Mitarbeiter nicht mal auf den Rücksitz, sondern die setzen den in den Kofferraum mit verbundenen Augen. Und dann heißt es, mach das mal nach, was wir hier vorne entsprechend vormachen. Du kriegst vielleicht noch irgendwo einen Prozess an die Hand, der dir genau sagt, was du wann machen musst, dass du links das Lenkrad drehst, wenn du nach links fahren musst. Die lassen dich jedoch nicht machen. Ich finde, gerade bei solchen Prozessen, wenn es um das Thema Mitarbeitermotivation geht, wenn du Mitarbeiter hast, die quasi irgendwo so zweite, dritte Führungsebene sitzen und sagen, ich muss meine Mitarbeiter unten drunter mal ein bisschen auf der emotionalen Schiene motivieren, dann müssen die gewisse Freiheiten haben. Dann musst du die links vorne auf den Fahrersitz setzen und sagen, mach mal. Ich gebe dir jedoch gleichzeitig als Unternehmer irgendwo die Sicherheit. Ich habe mein Bremspedal und ich wäre für dich da, wenn ich merke, das Ganze läuft irgendwo in eine andere Richtung. Wer weiß, vielleicht findet der Routen, die kanntest du vorher noch gar nicht.

Oliver Ratajczak: 🙂 . Die viel schneller sind.

Florian Werner: Ja, genau, die viel, viel schneller sind, die viel besser funktionieren. Wichtig ist doch einfach, lass den doch mal machen und gib dem nicht irgendwie künstliche Bremsen vorne weg. Dann funktioniert das Ganze nicht. Was passiert bei so einer Fahrschule? Da sitzen mittlerweile ein, zwei Fahrschüler ebenfalls auf den Rücksitzen. Die nehmen das Ganze gleich mit. Wenn du solche Motivationen einführst, nimm doch gleich andere Mitarbeiter mit, von der zweiten, dritten Führungsebene, wo du sagst, komm, schaut euch das Ganze an, wie ich das heute mache. Dann machst du ein kurzes Standup-Meeting vielleicht ein-, zweimal in der Woche, wo du deine Maßnahmen in dieser Woche mal kurz durchgehst und nimmst die gleich mit. Solche Taktiken finde ich viel, viel besser, als einfach irgendwelche Prozesse einzuführen. Man kann sich auch zu Tode Prozessen, auf gut Deutsch.

Oliver Ratajczak: Ja, ja. Definitiv. Ich habe mal einen Workshop gemacht, da ging es genau darum bei einem Unternehmen. Die hatten wirklich alles haarklein in Vorschriften, Prozessen, Nummern. Und defacto in dem Workshop kam nachher raus, dass weder jeder alle Prozesse kennt noch einhält. Allein die Bewertung, Ampelsystem, wie wird dieser Prozess von deinen Kollegen eingehalten, war totaler Offenbarungseid. Niemand kannte die. Keiner hat die eingehalten 🙂 Die waren das Papier nicht wert.

Florian Werner: Ja. Ganz genau.

Oliver Ratajczak: Und das macht es ja nicht. Ich meine, man kann nicht alles aufschreiben. Das hält einen im Zweifelsfall vom wirklichen Leben ab.

So wichtig sind die eigenen Werte:

Florian Werner: Ja, das stimmt. Ich finde, ganz wichtig ist, wir entwickeln mittlerweile für viele Kunden tatsächlich Employerbrands. Also so Arbeitgebermarken. Da steht am Anfang immer ein Workshop. Dann geht es einfach drum, es werden verschiedene Mitarbeiter eingeladen und es geht erst mal darum, wirklich so Kleinigkeiten zu checken. Zum Beispiel, lieber Mitarbeiter, wie würdest du deine Firma XY deinem Nachbarn erklären oder deinen Kindern, die vielleicht gerade sechs Jahre alt sind. Das sind so die Punkte, die gilt es einfach rauszuholen. Diese Werte, die vom Mitarbeiter aus dahinterstehen. Die einfach in den Vordergrund zu stellen. Im Idealfall kommt kein Prozess raus, sondern einfach eine kurze, knackige Checkliste, wo du deinen Markenkernwert hast und deine Markenwerte, die das Ganze entsprechend umgeben. Dann kommt eine Checkliste raus. Alles, was du machst, hast du deine fünf Punkte. Und dann heißt es, ist das Ganze A, B, C, D, E. Falls ja, machst du diesen Vorgang. Falls nein, lässt du es einfach. Finde ich viel, viel geiler, als wenn du entsprechend so eine, ja, wie soll ich sagen, so eine ganz, ganz ausführliche Prozessliste hast. Du kannst dir das gerne mal bei uns anschauen. Ich weiß nicht, kannst du wahrscheinlich in den Shownotes entsprechend verlinken.

Oliver Ratajczak: Klar. Gerne.

Florian Werner: Da kann ich dir mal den Link entsprechend zu unseren Werten durch schicken.

Oliver Ratajczak: Gerne.

Florian Werner: Bei uns ist es so, alles, was wir machen, wir gehen halt durch, ist das A, B, C, D, E. Falls wir überall ein “ja” haben, machen wir es. Falls wir nur ein einziges Mal “nein” haben, machen wir es nicht. Das gibt dir die Möglichkeit, da einfach schnell zu agieren. Wenn du irgendwie sagen möchtest, ich möchte einen Mitarbeiter motivieren, ich kaufe dem jetzt ein Auto. Dann gehst du durch, ist das A, ist das B, ist das C. Stopp. Nein, ist es nicht. Machen wir nicht. So kannst du das Ganze einfach wesentlich verschlanken und musst nicht irgendwelche Prozesslisten einführen.

Oliver Ratajczak: Ein Traum. Natürlich werde ich das gerne in den Shownotes verlinken. Ich glaube, von so einem Beispiel können viele Unternehmen da draußen profitieren. Nur, das hat ebenfalls was mit Verantwortung abgeben zu tun. Wenn du sagst, du lässt jemanden auf den Fahrersitz und sitzt daneben, okay, du kannst noch Bremse drücken, vielleicht geht es dennoch in die Hose. Ist schon Verantwortung abgeben, was viele nicht wollen.

Florian Werner: Ja. Du musst dich trauen. Im Prinzip, wenn du es nicht probierst, weißt du nicht, ob es funktioniert. Das ist, finde ich, was, das musst du lernen. Ich verstehe jeden, der sagt, ich traue mich das nicht, ich traue mich nicht, das an einen Mitarbeiter abzugeben, weil es mir selber jahrelang so ging. Weil ich selber einfach auf gut Deutsch irgendwie echt Angst hatte, dass das in die Hosen geht, dass es schiefgeht. Und wer denkt, das kann schiefgehen, ja, der hat recht. Jedoch 🙂 du musst es vielleicht ein-, zweimal schiefgehen lassen. Du musst einfach sagen, okay, kein Kind hat das Laufen gelernt, indem du es hingestellt hast und der ging zehn Meter. Jeder ist ein paar Mal hingefallen. Dadurch haben wir das Laufen gelernt. Das sind einfach Punkte. Du musst deinen Mitarbeitern irgendwo dieses Vertrauen geben, hey lieber Mitarbeiter, du darfst diese Fehler machen. Wichtig ist nur, dass sie dir kein zweites Mal passieren.

Oliver Ratajczak: Genau. Dazu muss man es jedoch kommunizieren und offen sein. Allen muss klar sein, guck mal, wir haben da einen Fehler gemacht. Also wieder Thema Fehlerkultur. Da gibt es manchmal ebenfalls noch viel zu tun.

Florian Werner: Ja, das stimmt.

Oliver Ratajczak: Beim Thema Laufen lernen, da hatte ich den Professor Dueck mal hier im Podcast. Der sagte, er hätte manchmal das Gefühl, wenn große Konzerne Startups gründen, ist das so ähnlich, wie, als wenn die sich an den Rand einer Straße setzen und Leute beim Fahrradfahren beobachten. Wenn sie genau festgestellt haben, wie Fahrradfahren so theoretisch funktioniert, glauben sie, sie können es.

Florian Werner: Mhm (zustimmend). Das stimmt.

Oliver Ratajczak: Und das lernt man dann ja relativ schnell, wenn man sich wirklich mal draufsetzt. Beim ersten Mal, also man muss einfach mal hinfallen. Sonst wird das, glaube ich, nichts.

Florian Werner: Das stimmt. Genau. Das sind einfach Punkte. Du musst dich halt trauen. Klar, du kannst in allem, was du machst, scheitern. Wenn du es nicht ausprobierst, weißt du es nicht.

Oliver Ratajczak: Ein schönes Schlusswort. Florian, es macht mir immer wieder Spaß, mit dir zu reden. Hast du noch irgendwas, was du den Hörern mit auf den Weg geben möchtest oder wo du sagst, guck da mal vorbei, da seht ihr was über uns, et cetera.

Florian Werner: Ja, klar. Wenn ihr bei uns vorbeischauen wollt, wir haben einen recht guten oder, wie soll ich sagen, gut befeuerten Blog unter agentur-dreibein.de. Und ebenfalls einen eigenen Podcast. Wenn ihr da reinhören wollt, natürlich ebenfalls gerne. Den findet ihr überall. Spotify, Apple Podcast, Google Podcast und ähnliches, einfach unter dem Namen “Dreicast”.

Oliver Ratajczak: Dreicast. Werde ich ebenfalls verlinken in den Shownotes. Mir hat es total Spaß gemacht. Ich danke dir sehr. Bis bald.

Florian Werner: Ich danke dir ebenfalls, Oliver. Ciao.

Oliver Ratajczak: Ciao.

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