„Präsentationen werden oft zu wenig vorbereitet!“ Peter Claus Lamprecht

Im lockeren Gespräch mit Peter Claus Lamprecht über Präsentieren mit Multivisionen, Diashows, Storyboards, Tonmeister, Surroundsound, Dias, rote Augen, Powerpoint, Aufzählungspunkte, keine Zeit, wiederverwenden von alten Folien, gefühlte Effizienz, Folien vorlesen, Relevanz, Gags, Dramaturgie, schnell zusammenschustern, Keynotevorträge, iPhone-Launch 2007, eine Woche Vorbereitung, Präsentation von Prototypen, Medientraining, unternehmensinterne Präsentationen, Wer ist das Publikum?, In welcher Situation befindet sich das Publikum?, Was ist das eigentliche Thema? Was soll mit dem Vortrag erreicht werden? Was hat das Publikum davon?, Kommunikation in Change- und Mergerprojekten, Schema F, Vertrauen, Wertschätzung, Second Screen der Präsentation als Marketingtool und exzellentes Präsentieren.

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Die Shownotes zu dieser Podcastfolge

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Diese Folge zum Nachlesen

Oliver Ratajczak: Schön, dass du heute wieder zuhörst. Wie du ja weißt, liegt meine Leidenschaft darin, Unternehmen dabei zu helfen, aus ihren Kunden profitable Stammkunden zu machen. Oft hat aber dieser Prozess viel mit guter Kommunikation in Richtung Kunde zu tun. Aber bevor man sozusagen in Richtung Kunde kommuniziert, sollte man vielleicht erstmal unternehmensintern kommunizieren, so als Führungskraft. Damit man seine Ideen überhaupt erstmal unternehmensintern verkaufen kann. Und das geschieht dann häufig, heutzutage, in Form von Präsentationen. Und deshalb habe ich heute jemanden eingeladen, der sich unglaublich gut mit Präsentationen auskennt, und zum Beispiel Führungskräften hilft, exzellent zu präsentieren. Ich treffe mich heute auf einen Kaffee mit Peter Claus Lamprecht. Hallo Peter Claus.

Peter Claus Lamprecht: Mensch, hallo Oliver. Schön, dass ich hier bin. Du hast so einen schönen Einleitungssatz gesagt, ich fühle mich richtig geschmeichelt.

Oliver Ratajczak: Ja, aber es stimmt doch, bis jetzt, oder? Also, das habe ich mir ja nicht ausgedacht, sondern, das ist ja genau so, wie ich dich da draußen am Markt in Anführungsstrichen wahrnehme. Also, du, ich meine, deine Seite heißt Präsentabel. Da geht es ums präsentieren, und dein Podcast heißt: Exzellent Präsentieren. Wenn das mal nicht alles zusammenpasst.

Peter Claus Lamprecht: Das ist wahr. Das mache ich ja schon seit über 30 Jahren. Das ist mir jetzt in diesem Jahr bewusst geworden, dass ich tatsächlich 30 Jahre selbstständig bin, und davor war ich eine kurze Zeit angestellt. Und mache tatsächlich jetzt seit über 30 Jahren nichts anderes als Präsentationen.

Oliver Ratajczak: Erzähl doch mal. Also, seit 30 Jahren, das ist ja mal echt, da gibt es bestimmt was zu erzählen. Also, wo kommst du ursprünglich her, was hat dich dazu getrieben?

Peter Claus Lamprecht: Ja, also vor 30 Jahren war ich ja noch klein, und dann habe ich um mich herum so relativ elitäre Leute gehabt. Darauf will ich jetzt nicht näher eingehen, wie das dazu gekommen ist, aber das waren alles so Söhne aus wohlhabenden Familien, und die wussten genau, dass sie, was weiß ich, in St.Gallen studieren werden oder einer sogar in Harvard, einer wusste genau, dass er zu Roland Berger gehen würde, und, dass sie eine Trainee-Zeit machen würden beim Daimler und so. Also, das war so, und ich fühlte mich da so ein bisschen deplaziert. Und vor allen Dingen auch, weil ich noch nicht so genau wusste, was mache ich denn jetzt? Ne? Also, irgendwie, klar, studieren war vielleicht irgendwie Thema, aber was genau? Und dann habe ich angefangen zu fotografieren. Beziehungsweise, ich habe weiter fotografiert, ich hatte Super 8-Filme gemacht und sowas, das interessierte mich, aber das war wirklich so ein Hobby. Und mein Vater hatte damals die Idee: “Mensch, ich kenne da ein Studio, das nennt sich Studio Pierer in Hamburg. Da geh doch mal hin. Vielleicht kannst du da so ein Volontariat machen oder so, und mal schauen, ob du das, was dich gerade so interessiert, ob du das vielleicht mit dem Beruf verknüpfen kannst.” Und dann habe ich meinen Konfirmationsanzug angezogen, habe mich da vorgestellt, und die Dame, Frau Pierer, damals schon etwas älter, die hat also mich gerne genommen. Vielleicht wollte sie auch meinem Vater einen Gefallen tun, ich weiß es nicht, die hatten mal so ein Projekt zusammen, längere Zeit davor. Naja, und dann bin ich wirklich in so ein Paradies gekommen. Das Studio Pierer hat nämlich damals Multivisionen gemacht. Diashows. Das war damals, 1988, nein, 86, 1986 war das, das war das Medium der Wahl. Große Firmen, große Brauereien, die hatten Geld, die haben große Multivisionen bestellt. Die wurden auf Messen oder Kongressen gezeigt, und das Medium waren Diaprojektoren, und zwar mehrere, nebeneinander und übereinander, die dann auf großen Leinwänden solche, ja, Multivisionen, die Engländer sagen dazu: “Multi-Image-Presentations” gemacht haben. Der Ton kam von einer Tonbandmaschine mit mehreren Spuren, die Computer konnte man programmieren. Damals gab es schon Z80 getriebene Computer, große Disketten, grüne Bildschirme.

Oliver Ratajczak: …da habe ich, glaube ich, meinen 64er gekriegt, das ist echt schon ein paar Tage her.

Peter Claus Lamprecht: Ja. Und das war rasant. Und dann über sogenannte Interfaces konnte man dann also diese Computerwelt mit den Diaprojektoren verbinden, und man nannte das dann Programmieren. Wenn du dann eben die Dias in der Abfolge, was blendet wohin über, synchron zum Ton, zum Sound, zur Musik, das nannte man Programmieren, das hat man mit dem Steuercomputer gemacht. Aber es war auch gefährlich, wenn du irgendwie elektrostatisch aufgeladen warst, und du berührtest so ein Interface, dann konnte es sein, dass alles abstürzt und nichts mehr lief. Also, es war spannend. Aber eben natürlich mit dem Anspruch, dass das dann, zum Zeitpunkt der Veranstaltung, natürlich perfekt und ohne Fehler läuft. Es musste viel fotografiert werden, es gab ein Tonstudio, ich konnte mich in nahezu allen Bereichen austoben, die es da so gab. Es war eine riesengroße Spielwiese. Richtig, richtig, richtig klasse.

Oliver Ratajczak: Das hört sich total toll an. Ich habe sowas früher irgendwann mal gesehen. Das war wahrscheinlich in den Neunzigern. Ich fand das extrem beeindruckend. Eine Monsterauflösung, und dann mit dem Sound und so, das war schon ziemlich cool. Für die Hörer, die vielleicht das damals nicht erlebt haben, heute kann man ja 4K, 5K Fernsehen hat jeder zuhause, im Zweifelsfall gar nicht so toll, aber das war extrem beeindruckend. Und wenn man sich dann auch noch vorstellt, dass die Dias ja so übereinander geblendet sein müssen, dass man die Schnittkanten nicht sieht, und das Ganze dann auch noch auf Musik abgestimmt, Chapeau, da muss ich meinen Hut ziehen.

Peter Claus Lamprecht: Also, das war schon immer ein großes Projekt. Das ging auch nicht so eben schnell, sondern das kann man vielleicht mit so einer größeren Filmproduktion vergleichen. Du musstest natürlich einen Plan haben, du brauchtest ein Storyboard, du musstest einen Drehbuchautoren haben. Dann wurde das professionell von Sprecherinnen und Sprechern eingesprochen, und der Tonmeister hat das natürlich mit einem Super Surround Sound dann abgemischt, weil wir dann eben nicht nur Stereo hatten, sondern eben auch mehrere Effekt-Tonspuren. Und die Leinwände waren für damalige Verhältnisse relativ groß. Also, nicht ganz so groß wie im Kino, aber eben schon so, dass es deutlich mehr war als so eine langweilig Diashow zuhause. Und die Menschen haben auch immer das gesehen und haben gesagt, die haben einen Film gesehen. Es waren tatsächlich Dias, die teilweise auch sehr schnell ineinander geblendet haben, und teilweise sogar Animationssequenzen konnte man machen, wenn du so mehrere Projektoren hattest, die immer auf dieselbe Fläche projizierten, haben die sich so abgewechselt, so mit dem Revolverprinzip, also teilweise sechs Projektoren auf eine Fläche, und da konntest du schon relativ schnell eine Sequenz zeigen. Und das war dann teilweise so wie eine kleine Animation. Das war schon stark. Aber es gab auch Aufzählungspunkte, Textcharts gab es damals schon, die wurden mit sogenannten Filmrekordern ausbelichtet, also die Computer brauchten um so ganz normale, ja, Textcharts auszubelichten auf einem Computer dauerte das pro Dia 15 Minuten.

Oliver Ratajczak: Das kenne ich noch. Ein Lehrstuhl bei uns nebenan, die hatten so ein Gerät. Und ich habe halt damals ein bisschen damit rumexperimentiert, weil ich ein Schaufenster hatte, wo ich meine Fotos gezeigt habe, und dann habe ich so eine Präsentation durchlaufen lassen, damals nicht mit dem iPad oder so, sondern tatsächlich mit so einem braunen, 360 Grad Runddiamagazin Dingsbums. Und da habe ich auch ein paar belichten lassen, das hat ewig gedauert, unglaublich.

Peter Claus Lamprecht: Ewig, ewig. Ich meine, die Qualität, ja, das fand man damals toll, also alles was so auf Film und Dia war, war ja irgendwie scharf, aber gemessen an dem, was heute möglich ist, ist das natürlich ein Lacher. Und das mussten wir nachts mit roten Augen über den Leuchtkästen, wir haben die Dias geputzt. Wir hatten dann teilweise, es war gar nicht nur ein Film, der in diesen Diarahmen eingelegt wurde. Diese Diarahmen hatten Glas, also vorne, das war ein Glasrahmen, das war wichtig, damit der Film im Projektor immer richtig im Fokus war, dass der sich nicht durch Temperaturen wölbte. Und teilweise waren noch zusätzlich Masken in diesem Diarahmen drin. Das heißt, wir hatte also sehr, sehr viele Flächen, die wir staubfrei kriegen mussten, bevor wir den / Ja, und das erzähle ich deshalb jetzt so ausführlich, weil, man musste natürlich irgendwo auch in einem vorgegebenen Zeitrahmen fertig werden mit der Produktion.

Oliver Ratajczak: Eine wirklich harte Deadline im Zweifelsfall…

Peter Claus Lamprecht: Ja klar, wenn eine Veranstaltung lief, dann musste das ja laufen, das war wie eine Fernsehsendung. Also, wir haben große Projekte auf Termin natürlich gemacht, im Team, wir waren also so sechs bis 12 Leute, verrückte Leute, die also auch teilweise rund um die Uhr gearbeitet haben. Und dann haben wir das gemacht, so unterschiedliche Gewerke. Und ich durfte halt überall reinschnuppern, ich habe dann irgendwann auch angefangen, diese Sachen zu programmieren, weil die merkten, ich kenne mich mit Computern aus und so. Aber das Allerwichtigste war natürlich, du brauchtest einen Plan. Du musstest ein Konzept haben, du brauchtest ein Drehbuch. Daraus wurde ein Storyboard entwickelt, das heißt, ein Storyboard ist nichts anderes als die Beschreibung. Ich habe ja auf der linken Seite Text, da wird was gesagt, man hört was. Und auf der rechten Seite wurde beschrieben, oder teilweise in Skizzen gezeichnet: Was sehe ich denn dazu? Und dann musste das ja entsprechend auch noch produziert werden. Es musste manches fotografiert werden, man musste mit Bildarchiven telefonieren, damals noch, und sich Bilder bestellen. Also, die kamen per Post. Und das ging natürlich nur, also, auch wenn man jetzt Wochen, teilweise Monate Zeit hatte, die Zeit rannte. Also, irgendwann, wenn man eben Dinge nicht richtig gemacht hat, hatte man ein großes Problem. Und deshalb brauchtest du also wirklich einen sauberen Plan, ein Drehbuch, du musstest genau wissen, was du wolltest. Dann konntest du eine tolle Show machen, eine tolle Präsentation machen, und eigentlich waren auch immer danach alle begeistert. Tolle Sache. Heute, und jetzt kommt wirklich, 30 Jahre weiter. Heute werden ja immer noch Präsentationen gemacht, und der Anspruch ist ja immer noch da, dass man Leute begeistern möchte, dass man sie vielleicht motivieren will, oder überzeugen will von irgendetwas. Aber die Leute haben keine Zeit mehr, sich vorzubereiten.

Oliver Ratajczak: Genau.

Peter Claus Lamprecht: Und das merkt man.

Oliver Ratajczak: Den Eindruck habe ich auch. Genau. Also, es ist so einfach, jeder kann ja mal eben so ein bisschen Powerpoint machen. “Komm, ich habe erst in zwei Stunden die Präsentation, da gehe ich jetzt noch Mittag essen und dann mache ich die eben”, habe ich manchmal so das Gefühl. Und das wirkt dann auch so.

Peter Claus Lamprecht: Also, wenn man weiß, worum es geht, wenn man weiß, was man sagen möchte, dann braucht man ja auch nicht unbedingt jetzt sich in Powerpoint verkünsteln, sondern man kann ja irgendwie eine Darstellungsform wählen, die einem jetzt genehm ist. Also, wenn das Konzept steht, wenn du eine klare Botschaft hast, die du formulieren und ausdrücken möchtest, dann bist du schon mal ganz weit vorne. Aber, es passiert ja auch sehr viel heute, dass du ja schon einige Präsentationen gehalten hast. Und dann wirst du aufgefordert, eine neue, eine weitere Präsentation zu halten. Und was machen die meisten Menschen, die mit Powerpoint oder ähnlichen Programmen arbeiten? Die öffnen Powerpoint, und überlegen, okay, ich habe hier ja schon ein paar Folien, und dann, ob das bewusst oder unbewusst passiert, ist vollkommen egal. Aber diejenigen, die so eine Präsentation vorbereiten, stricken jetzt das, was sie jetzt sagen wollen, in der neuen Präsentation, irgendwie so um die schon vorhandenen Folien drumherum.

Oliver Ratajczak: Genau, weil die haben wir ja schon mühselig gemacht, dann kann man die ja wiederverwenden.

Peter Claus Lamprecht: Genau. Und das ist dann so eine Art von Effizienz, die da irgendwie behauptet wird, dass es die dann gäbe, dass man eben schnell zu einem Ergebnis kommt, was man vorzeigen kann. Da wird es Lücken geben, natürlich wird nicht jede Folie passen, also muss man dann eine neue Folie einfügen, und weil man ja nicht so viel Zeit hat, was macht man dann in Powerpoint, man schreibt eigentlich nur Text drauf. Solche Aufzählungslisten. Bullet Points.

Oliver Ratajczak: Ja, das reicht doch. Einfach hier Fakten, Bullet Points, fertig. #IronieAus J

Peter Claus Lamprecht: Genau. So. Und dann hat man etwas, was man irgendwie vorzeigen kann, es gilt auch immer noch gemeinhin als professionell oder ordentlich oder so, man hat geliefert, man hat das vorbereitet, und das wird dann vorgetragen. Und dann, weil man ja nun gerade eben erst, die Präsentation erstellt hat, und dann tanzt man sie auch schon vor, dann entsteht ja dieser Effekt, dass man doch abliest, was auf der Folie zu sehen ist. Und das ist natürlich für das Publikum nicht besonders spannend. Du merkst zum einen irgendwie, das hat er zusammengestrickt, dann ist es ja auch eine Glückssache, ist das jetzt auch wirklich das, was das Publikum interessiert, ist es relevant, ist es gut aufbereitet, ist da irgendwie ein Gag, ein Witz, eine Dramaturgie hinter? Sehr wahrscheinlich nicht, wenn es so entstanden ist. Und dann wird es auch noch vorgelesen. Was ich eh als still Lesender schneller lesen kann als jemand, der das vorliest.

Oliver Ratajczak: Und dann läuft der selbst gelesene Text unsynchron zu dem Vorgelesenen, was ja total anstrengend ist für alle Beteiligten.

Peter Claus Lamprecht: Und das ist immer noch, auch, wenn das eigentlich wie eine Binsenweisheit klingt, ja, man soll nicht vorlesen, aber es ist immer noch weit verbreitet. Und wenn ich das anspreche, auch bei so Vorträgen, also, irgendwie gerade neulich, auch so geschildert, ich habe das simuliert, ich habe so eine Folie vorgelesen, und die Leute im Publikum nicken alle mit dem Kopf, teilweise ertappt, teilweise “Ja, habe ich gerade eben erst wieder erlebt” oder so, ja? Es ist absolut präsent. Es wird einfach so gemacht. Powerpoint ist da gar nicht schuld dran, aber man hat keine Zeit, man denkt, naja gut, dazu ist das Programm doch da, ich kann schnell die Folien irgendwie zusammenschustern, die Lücken füllen, und dann lese ich das ab und dann bin ich fertig. So.

Oliver Ratajczak: Da fällt mir ein Vergleich ein. Vielleicht ist Powerpoint ja doch ein bisschen schuld. Also, früher, da gab es so einen Beruf, der hieß Schildermaler. Wenn man einen Laden hatte, und man wollte hier eine Botschaft verkünden, dann ist man zu dem gegangen und dann hat der das gemacht. Und das hat man sich vorher genau überlegt, weil das kostet Geld und ist aufwendig. Genauso bei euch. Wenn ihr so eine Präsentation gebaut hat, hat man sich ja vorher wahrscheinlich Brauerei oder so, Auftraggeber, genau gedacht, was man da sagen will, und das genau abgestimmt. Powerpoint macht es so pseudomäßig einfach, und dabei geht da, glaube ich, die Vorüberlegung oft verloren.

Peter Claus Lamprecht: Gut, ich meine, damals war die Situation noch ein bisschen anders. Also, natürlich hast du Recht, man hat sich das genau überlegt, also auch als Brauerei, ja. Aber es war ja schon so, dass der Anspruch war, okay, was ist hier so üblich, ja, man braucht eine große Projektion, man braucht so eine Diashow oder so eine Multivision, da wendet man sich dann an jemanden, der sowas herstellen kann. Und dann ist also erstmal der Wunsch: Ich möchte das genauso beeindruckend haben wie vielleicht mein Wettbewerber. Ja? Dass ich da mithalten kann, in der Liga. So, das ist vielleicht schon mal früher so ein Anspruch gewesen. Man hat sich entschieden, ein Budget in die Hand zu nehmen und zu sagen: “Ich brauche jetzt was Großes, so.” Wenn man Glück hat, gab es dann auch jemanden, der ganz konkret gesagt hat: “Das und das wollen wir kommunizieren.” Sei es ein neues Brauereiverfahren, um in dem Bild zu bleiben, oder einfach ein neues Label, neue Flasche, oder keine Ahnung, irgendeine Neuigkeit. Dann hat man ja schon mal was, ja? Es gab teilweise solche Shows auch in den Brauereien selbst, wo dann, wenn man eine Brauereiführung gemacht hat, dann hat man das am Ende gesehen. Ja? Gab es dann richtig so einen großen Kinoraum, und dann gab es dann so eine Präsentation. Da hat man erstmal allgemein über die Geschichte und über die hochwertige Lebensmittelherstellung, die man da gerade erlebt hat, irgendwas erfahren. So, wenn man Glück hatte, gab es diesen Plan. Aber ganz oft hat man natürlich dann auch noch die Leute beraten, und gesagt, was ist möglich, was kann man machen, wie kann man das aufbauen, wie kann man das von der Dramaturgie, von der Inszenierung her so aufbauen? Also, ich weiß, dass Kollegen wirklich sich auch erstmal in die Materie richtig eingearbeitet haben, um das Buch zu schreiben. Um das abzustimmen. Und wenn das dann stand, dann wurde es produziert. So, aber am Anfang, hast du vollkommen Recht, stand eine Entscheidung: Ich möchte etwas Großes haben, ich möchte, dass es gut verständlich ist. Und dann wurde erstmal die Vorarbeit geleistet, weil es wäre ja viel zu teuer gewesen, sowas zu produzieren, um dann auf halber Strecke zu merken: Oh nein, passt nicht, wir müssen noch mal von vorne anfangen. Also, das war schon so, dass man dann gesagt hat, nein…

Oliver Ratajczak: “Ich hatte mir das in Hochformat vorgestellt.” (lacht)

Peter Claus Lamprecht: … wir fangen erst an, wenn das Buch steht und alle inhaltlich gesagt haben: “Ja, wenn ihr das so rüberbringt, wie es hier auf dem Papier steht, dann ist es gut. Auf geht es, ihr dürft anfangen.” Aber dieser Prozess, das ist ja teuer, und aufwendig, und es braucht Zeit. Das hat man ja heute nicht mehr. Es geht ja alles so schnell und so einfach. Und da wird dann offenbar irgendwie unbewusst der Schluss gezogen, ja, dann muss ich mich ja auch nicht so doll vorbereiten. Und das ist eigentlich der größte Fehler und der am weitesten verbreitete Fehler, der gemacht wird. Also, gerade in Zusammenhang mit Powerpoint.

Oliver Ratajczak: Kann ich mir vorstellen. Also, es gibt ja eine Präsentation, die mich ziemlich beeindruckt hat, kennt jeder, wird dauernd zitiert, damals die erste iPhone Präsentation.

Peter Claus Lamprecht: Mich auch.

Oliver Ratajczak: Da war ich in einem Hotelzimmer, weil ich bei einem Kunden war, damals, unterwegs, und abends habe ich mir die Präsentation angeguckt im Hotelzimmer, und habe das angeguckt und habe gedacht: Alter Schwede, da kommt, glaube ich, was echt Großes. Also, die war sowas von auf den Punkt. Gefühlt. Also, ich bin ja kein großer Präsentator, im Vergleich zu dir, aber ich habe gedacht: Da stimmt aber mal wirklich alles, da hat sich mal einer echt Gedanken gemacht, was er da rüberbringen will. Das ist seitdem, also, die letzten Präsentationen, finde ich, haben die ein bisschen nachgelassen.

Peter Claus Lamprecht: Also, im Nachhinein, wenn man jetzt natürlich mit dem heutigen Wissen, also, dass ja iPhone tatsächlich eine echte Revolution war, dass also wirklich ein echtes Smartphone erfunden wurde, obwohl es damals ja schon in Form von Blackberry und so Smartphones gab, die aber…

Oliver Ratajczak: Ich hatte auch eines von Nokia, das war eigentlich auch ganz gut.

Peter Claus Lamprecht: Aber es war ja lächerlich in dem Moment, weil man eben noch nicht dieses Multi-Touch Display hatte. Aber Steve Jobs damals hat das auch wirklich gut präsentiert. Also, man guckt sowas gerne an, es gilt als eine Referenz. Man muss aber auch sehen, er hat natürlich zu seinen Fans, zu seinen Homies gesprochen. Also, der hatte es relativ leicht eine Verbindung und so einen Kontakt zu seinem Publikum aufzubauen. Er hat genau die Erwartungen bedient, also, hat er gut gemacht. Er wurde auch gefeiert und das bedingt ja auch einander, dass es dann auch Spaß macht, und, dass es wirklich eine tolle Geschichte ist. Aber, das habe ich auch gelesen, der hat richtig lange geübt. Der hat, glaube ich, eine Woche haben die sich da eingeschlossen in diesen Räumlichkeiten. Sie hatten nämlich auch noch eine andere Herausforderung, dass dieses iPhone, das war nur ein Prototyp, den er auf der Bühne hatte, und das wurde dann ja auch noch über so ein spezielles Kabel so mit der Leinwand verbunden, dass er dieses Display auf der Leinwand zeigen konnte, was er da, also, dieses Display des Smartphones, was er auf der Bühne hatte. Und es stellte sich heraus, dass das immer wieder abstürzte. Und dann haben die einen Weg gefunden, durch langes Herausprobieren, welche Funktionen muss er in welcher Reihenfolge machen, damit das Ding nicht abstürzt während der Präsentation.

Oliver Ratajczak: Der hat ja damals auch, das konnte man ja sehen, in einer Kameraeinstellung lagen da extreme Skripte. Also, solche ringgebundene Bücher, wo genau drinstand, wann machst du was.

Peter Claus Lamprecht: Stimmt, das fand ich genau. Also, er war an diesem Pult wo er dieses iPhone hatte, stimmt, da hatte er so ein Ringbuch, was er umgeblättert hat. Okay. Aber das zeigt aber auch, er war extrem gut vorbereitet. Er hatte seinen Text drauf, an den Stellen, wo er vielleicht einen Fahrplan brauchte, damit jetzt garantiert dieses Gerät nicht abstürzte. Das kann ich jetzt nur vermuten, dass es damit zusammenhängt, aber es wurde halt mal so beschrieben, dass es wirklich diese technischen Herausforderungen gab. Er hat sich vorbereitet. Er wusste genau, wie das aufgebaut ist. Und dann sind ja auch präsentationstechnisch einige schöne Tricks, er spricht ja am Anfang von diesen drei Geräten, die er heute vorstellen würde. Er sagt, er wird einen…

Oliver Ratajczak: Ja. Brillante Szene.

 

Peter Claus Lamprecht: …neuen iPod herausbringen. Ja? Er wird ein neues, revolutionäres Telefon herausbringen, und er wird ein mobiles Internet Device, also ein Internet-Endgerät, wie es im Deutschen so schön heißt, wird er herausbringen. Und dann jubeln alle, aber sind auch so ein bisschen zögerlich, und „hä?“ und dann bringt er diese drei Produkte immer wieder, und dann merkt man plötzlich: Es ist ein und dasselbe Gerät. Und dann toben ja schon die Leute im Publikum und er hat das der wirklich gut gemacht. Und dann kommt ein Riesengag, er zeigt das Produkt als Fake, das ist nämlich dann irgendwie ein iPod mit einer klassischen Wählscheibe und sagt: “Guck mal, das ist unser neues Telefon.” Und natürlich lachen alle Tränen, weil sie wissen ja, das kann es ja jetzt nicht sein. Ja? Und alle sind also wirklich begeistert, weil da auch diese Selbstironie da ist. Aber ein Superkniff, er hat mit dieser Wählscheibe auf diesem iPod im Grunde sofort den Fokus gelegt auf das, was nämlich wirklich das besondere Merkmal eines iPhones ist, und aller Smartphones, die wir heute haben: Die Bedienung über diesen multitouchfähigen Monitor. Ja? Er hat gesagt: Das ist das zentrale Element, dass man es vernünftig bedienen kann. Und das hatte ja diesen Übergang, mit der Wählscheibe, von diesem uralten / Also er hat ja sich auch lustig gemacht über Blackberry und Co, mit ihrem Plastiktatstauren und so, ja? War genial. Also, das war wirklich eine tolle Idee, eine sehr schöne, kreative Idee, wie man mit ein bisschen Selbsthumor die Leute im Publikum schon unbewusst trimmt auf das, was wirklich der Gag ist, nämlich die Bedienung über das Touchdisplay. Also, davon kann man viel von lernen. Heute auch. 2007 war das. Also, irre.

Oliver Ratajczak: Ja. Du sagtest ja gerade, die haben eine Woche lang vorher trainiert. Welcher CEO, wenn er eine wichtige Präsentation hat, trainiert vorher eine Woche mit X Angestellten?

Peter Claus Lamprecht: Ich kenne keinen.

Oliver Ratajczak: Heute.

Peter Claus Lamprecht: Ich kenne keinen. Ich weiß, also Vorstandssprecher, die sich auf Hauptversammlungen vorbereiten, die üben auch. Das ist dann aber jetzt nicht so extrem wie jetzt bei Steve Jobs. Also, ich weiß von einem, wo ich sage, der weiß, er kennt seine Präsentation, die wird erarbeitet, Investor Relations, die stimmen die Inhalte ab. Er hat die Datei, er kann das selbst durchklicken und üben, zuhause. Dann gibt es noch ein sogenanntes Medientraining, das heißt, da wird Sprechen, Betonung, was ist wichtig, was muss ich auch von der Stimme her hervorheben, wie kann ich also meine Rede, sagen wir mal besonders wirkungsvoll in Verbindung mit den Folien auf der Leinwand optimieren und rüberbringen? So das wird schon gemacht. Das ist dann aber auch nur ein halber Tag. Aber das Ergebnis dieses Medientrainings ist schon, dass er so eine Art Skript hat, wo ganz viele handschriftliche Anmerkungen sind, teilweise mit dicken Filzern sind so Hervorhebungen drin und Anmerkungen. Das heißt, er hat durch dieses Training, ich sage jetzt also wirklich auf diese Rede getrimmt, er weiß, okay, da muss ich betonen und da muss ich eine Pause machen, da kann ich einen Schluck Wasser nehmen, oder was auch immer, und dann kann er das bringen. Und das finde ich schon, ist schon toll, aber es wirklich ganz eng getaktet, in den super engen Zeitplan dieses Vorstandsvorsitzenden, dass es vielleicht, netto ist das ein Tag. Und das ist schon richtig viel, ja? Dass er sich vorbereitet. Aber ich meine auch, das ist das Allermindeste. Er hat dann ja natürlich noch Leute, die jetzt ihm mit den Folien helfen, und, dass die Technik funktioniert, darum muss er sich ja direkt jetzt nicht kümmern, aber dieser Nettovorbereitungsbedarf entspricht letztendlich ungefähr dem Zeitaufwand, wie die ganze Hauptversammlung dauert, so würde ich mal sagen. Das, finde ich, ist schon okay. Und wenn es natürlich noch komplizierter ist, wenn man etwas vorstellt, was, ich kann es mir vorstellen, dass es bei den Autoherstellern so ist, das weiß ich jetzt nicht genau, aber, dass man da vielleicht noch ein bisschen mehr übt, weil man dann ja auch ein bisschen mehr auf der Bühne vielleicht herumgehen muss, vielleicht auch mal ein Auto zeigen muss und erklären muss, und so weiter. Das muss man natürlich dann auch üben. Da ist der Aufwand vielleicht größer. Aber niemals eine Woche. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Oliver Ratajczak: Das sind aber so Produktvorstellungen, okay, das kann ich mir vorstellen, da ist Fernsehen dabei und im Zweifelsfall guckt die ganze Welt zu, wenn da irgendwie ein neuer Mercedes rauskommt oder irgendwas, oder ein neues Samsung Phone. Aber es gibt ja ganz, ganz viele Präsentationen. Im Zweifelsfall, die auch für die Richtung eines Unternehmens entscheidend sein können, wo man intern erstmal irgendwas präsentiert. Und das wird dann ja manchmal noch mehr auf die leichte Schulter genommen, habe ich so den Eindruck.

Peter Claus Lamprecht: Ja, gerade, wenn man so ähnliche Präsentationen immer wieder macht. Dann schleicht sich eben gern auch mal eine Routine ein, und ja, und dann wundert man sich, dass dann vielleicht die Erfolge ausbleiben. Man kennt das ja so. Man hält einen Vortrag, gerade im Unternehmen, und am Ende klopfen alle auf den Tisch, und dann weiß man, okay, die oder der hat geliefert. Aber mehr auch nicht. Ja? Und dann steht vielleicht noch am Ende der letzten Folie steht dann: “Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit” auch noch drauf, und dann weiß man schon so, ah, okay das Stoßgebet des nervösen Redners, endlich bin ich durch, endlich bin ich vorbei. Und es bleibt nichts nach. Ja? Also, man weiß jetzt nicht, wo ist die Handlungsaufforderung am Ende geblieben? Oder was soll ich jetzt mit dem anfangen? Er hat geliefert, okay, er hat vielleicht in vorgegebener Zeit präsentiert, und nun? Also, das ist das zweite Problem, was ich so erlebe. Es bleibt nichts nach. Die Präsentationen sind nicht so gebaut, dass das Publikum danach etwas anders machen soll. Oder, dass das Publikum sich irgendwie ändert, oder so. Sondern es plätschert, und dann ist es vorbei. Ach ja. Endlich Kaffee.

Oliver Ratajczak: Dann gibt es das neue Organigramm noch per E-Mail zugeschickt, und dann weiß man ja, wo es langgeht.

Peter Claus Lamprecht: Genau. Aber auch das liegt daran, dass man, wenn man eben so eine Präsentation vorbereitet, heutzutage, gerade in dieser Routine, dass man sich bestimmte Fragen gar nicht mehr stellt, die man sich eigentlich stellen sollte. Zum Beispiel:  Ja, die wichtigste Frage, die ich immer nehme, ist, wer ist denn überhaupt im Saal? Wer ist denn mein Publikum? Ne? Und das kann man dann noch ein bisschen ausführen. In welcher Situation befindet sich das Publikum? Also, ist es jetzt gerade nach der Mittagspause vielleicht schläfrig? Das ist eine wichtige Information. Oder ist es so, sind die erwartungsfroh, ist es der erste Vortrag einer großen Tagung, wo es um was geht? Sind das Kunden, oder sind das Mitarbeiter? Das muss man sich, auch wenn man das eigentlich so weiß, aber die Frage muss man sich mal stellen. Wer sitzt im Publikum und in welcher Situation befindet sich das Publikum? Und dann kann man sich fragen: Was ist denn das Thema, worum geht es denn eigentlich in meinem Vortrag? Also, auch wenn das banal klingt, aber man muss sich diese Frage noch mal stellen. Worum geht es denn wirklich? Also was ist das eigentliche Thema? Und, ganz eng verknüpft damit, die Frage: Was will ich eigentlich erreichen? Also, was soll für mich am Ende, nach dem Vortrag, anders sein als vorher? Ja?

Oliver Ratajczak: Oder was soll im Zweifelsfall der Zuhörer danach anders machen oder sich anders verhalten, oder was soll überhaupt gewonnen werden?

Peter Claus Lamprecht: Genau, also, das wäre dann für mich die dritte Frage. Also, die erste Frage, ne, wer ist das Publikum. Die zweite Frage, Thema und Ziel. Und die dritte Frage ist, was ist denn der konkrete Nutzen? Also was hat das Publikum davon. Ja? Also, es gibt so ganz fürchterliche, langweilige Präsentationen in Unternehmen, das sind sogenannte Sicherheitsunterweisungen. So ein bisschen vergleichbar mit den Sicherheitsunterweisungen im Flugzeug, wenn du da sitzt, wo die dann immer vortanzen, jeder weiß wie es geht, und es läuft nach einem bestimmten Schema ab. Und wir sind immer sehr dankbar, wenn wir im Flieger sitzen, und dann ist dann jemand da vorne und macht das irgendwie lustig. Oder macht einen kleinen Witz, ja? Und geht an die Grenze dessen, was er von der Fluggesellschaft machen darf, im Rahmen dieses Vortrages, aber man hat eine gute Zeit und sagt, okay, er hat mich daran erinnert, und da sind die Notausgänge, alles klar, ich weiß es. Und da ist der Nutzen für die Zuschauer in dem Moment einfach die Unterhaltung. Dass er diese Pflichtveranstaltung, die jeder über sich ergehen lassen muss, weil es einfach nicht anders geht, hat er wenigstens so erträglich wie möglich gemacht. Das kann ein Nutzen sein. Aber eben auch, dass wirklich einen Mehrwert mitnehme, dass ich etwas mit nach Hause nehmen kann und sagen kann: “Oh, Mensch, toller Tipp, damit kann ich jetzt was anfangen und ab jetzt besser, erfolgreicher, reicher leben.” Keine Ahnung. Ja? Oder ich weiß, dass ich meinen Arbeitsplatz behalten werde. Also, die ganzen Change-Prozesse in großen Unternehmen, da habe ich jetzt gelernt, durch viele Präsentationen, die ich begleitet habe, Change ist zwar, klar, Veränderung, aber die eigentliche Herausforderung ist die Kommunikation. Wie hole ich die total verunsicherten Mitarbeiter, die ja immer gehört haben, oh, Merger, zwei Unternehmen zusammen, das heißt doch, die Hälfte wird entlassen. Also, muss ja nicht so sein. Aber die Angst ist da. Und wie kommuniziere ich in meinen Präsentationen, dass meine Mitarbeiter wissen, wir machen das zusammen weiter? Ja?

Oliver Ratajczak: Superwichtig. Also, ich bin ja auch öfter bei Unternehmen, und da sehe ich es und ich spreche dann halt mit allen möglichen Leuten, also, völlig hierarchieunabhängig, und höre einfach mal so rein, wie ist die Stimmung? Und da kriegt man im Zweifelsfall die richtigen Fragen. Also, manchmal wird auf so Präsentationen so High Level gesprochen, dass man die Leute komplett nicht abholt. Also, dass die dann da sitzen und sagen: “Was erzählt er denn jetzt.” Ich habe das schon mal erlebt, dass jemand sagte: “Wer ist eigentlich der Mann da vorne auf der Bühne?” Ich sagte: “Das ist euer Europachef, und so Informationen solltet ihr vielleicht kennen.” Die haben manchmal gar keine Vorstellung, wer da überhaupt zuhört. Oder was die wissen. Im Zweifelsfall.

Peter Claus Lamprecht: Ja, oder sie haben sich auch nicht mit den Ängsten und Sorgen, die möglicherweise da sind, auseinandergesetzt. Und dann wird dann eben so eine schnell zusammengeschusterte Präsentation gehalten, so ähnlich, wie wir es vorhin beschrieben haben. Da sitzt du im Publikum, und du bist Mitarbeiter, und es geht um was, du denkst an deine Zukunft, ja? Und dann wird da so ein Schema F Ding runtergeleiert. Habe ich dann Vertrauen? Oder komme ich auf den Gedanken, naja, wenn er sich so wenig Mühe gibt, dann bin ich es wahrscheinlich nicht mehr wert, also schließe ich daraus, ich muss mich nach einem neuen Job umsehen.

Oliver Ratajczak: Übles Signal, ja klar.

Peter Claus Lamprecht: Aber das soll ja auch nur verdeutlichen, es macht Sinn, sich zu Beginn eines Vortrages gewisse Fragen zu stellen…

Oliver Ratajczak: Oder eher zu Beginn der Vorbereitungsphase.

Peter Claus Lamprecht: Ja, genau.

Oliver Ratajczak: Nicht nur zu Beginn des Vortrags, um Gottes Willen.

Peter Claus Lamprecht: Obwohl, manchmal gibt es auch Fragen, die kannst du nicht abschließend in der Vorbereitung für dich beantworten. Weil du es gibt ja auch mal Situationen und Veranstaltungen, da weißt du gar nicht genau wer kommt. Wenn das eher so öffentliche oder halböffentliche Geschichten sind. Aber dann kannst du natürlich diese Fragen tatsächlich auch zu Beginn stellen.

Oliver Ratajczak: Ja, okay. Verstehe.

Peter Claus Lamprecht: Und wenn man dann flexibel ist in seinem Thema, dann kann man natürlich auch gucken, wer ist denn heute hier, da kann man versuchen, mit ein paar Fragen zumindest eine Einordnung zu finden. A, sind das eher Laien oder sind das Profis, damit man eine Einschätzung auch für sich treffen kann, welche Sprache ist hier angebracht? Kann ich jetzt wirklich Fachsprache verwenden, oder sollte ich doch lieber das allgemein verständlich präsentieren, und dann eben für die Profis im Publikum ein paar fachsprachliche Elemente nennen, aber natürlich, für die anderen, die das nicht verstehen können, mutmaßlich, dann eben auch vielleicht leicht verständlichere Beispiele bringen. Das muss ich wissen. Ja? Also, wenn ich das nicht weiß, dann rattere ich meinen Fachsprachenvortrag runter, und die andere Hälfte im Publikum, die das überhaupt nicht versteht, die denken: “Was ist denn das für ein Mist hier, ich gehe wieder nach Hause”, ja? Die twittern dann immer, die schießen dann diese Fotos von den Leinwänden, “Ich überlebte den Vortrag von Herrn Sowieso.” Ist schon vorgekommen.

Oliver Ratajczak: Ich war vor, ach Gott, das war Facebook Anfänge sozusagen, da saß ich mal in einem Meeting, und irgendein Kollege stupste mich an, und zeigte auf sein Facebook, und sagte: “Schau mal, da hat gerade der Bereichsleiter Soundso geschrieben, er sitzt in einem todlangweiligen Meeting.” Und wir saßen zusammen mit dem im Meeting, der dann vor Langeweile da gepostet hatte. Und kurz danach antwortete irgendein anderer Bereichsleiter, es war echt ein hohes Meeting: “Ich weiß, ich sitze im selben Meeting.” Also, das war total absurd, eigentlich hat es keinem gefallen. Facebook, getwittert, und ich habe gedacht, das kann doch echt nicht sein, wie läuft denn das hier schief?

Peter Claus Lamprecht: Ja, ich meine, klar, es kann immer mal schieflaufen, aber da ist natürlich auch schon vorher, im Vorfeld ja auch ein bisschen was schiefgelaufen, ne? Dass man da respektlos, oder vielleicht auch unwissend, was man jetzt auslösen kann, wenn man es bei Facebook postet, kann ja auch sein, dass einem das gar nicht so klar ist, was man da tut, aber das ist natürlich der Supergau. Ja, es gab ja mal eine Zeit, da war Twitter ja noch neu, und dann gab es auch wirklich Plugins und Tools, wie man Powerpoint mit Twitter verbinden kann. Das habe ich mal auch bestimmte Zitate, oder bestimmte Merksätze, wenn man so will, Schlagworte, die habe ich zeitgleich also programmgesteuert twittern lassen, von meinem Vorführrechner, in dem Moment, wo sie erschienen. Da habe ich gesagt, ich kann ja nicht verhindern, dass die Leute heute in ihre Smartphones schauen, und vielleicht auch mal ein Photo machen. Also, das ist ja irgendwie normal, ne? Aber wenn ich dann schon als Redner getwittert habe, dann können die Leute mich ja retweeten oder das liken, oder sagen: „Das ist mein Vortrag, und das ist da mein Schlüsselsatz”, und so weiter. Dann kann ich das so ein bisschen beeinflussen. Also zumindest kann ich ein Angebot machen, ich kann auch aktiv darauf hinweisen, und dann kann so eine Twitterbegleitung, also der Second Screen einer Präsentation kann dann auch ein kleines Marketingtool sein. Aber da muss man ja auch schon gut sein. Weil, das kann ja auch nach hinten losgehen.

Oliver Ratajczak: Ja, definitiv. Ist schon super spannend. Wir sind jetzt schon relativ lange dabei, aber ich finde es einfach total spannend, mit dir zu reden. Ich würde gerne mal so ein kleines Praxisszenario mit dir durchspielen. Also, vielleicht, irgendjemand, der ist Bereichsleiter, der hat vielleicht 300 Leute unter sich, oder so, und dann passiert das Damoklesschwert, der Vorstand für den Bereich wechselt. Es kommt ein Neuer, heißt es, in drei Monaten. Und ich muss dann irgendwann mich dem vorstellen, und meine Vision für die Zukunft und so. Wann fange ich denn da an? Oder wann rufe ich dich am besten an?

Peter Claus Lamprecht: Okay, also, vier Wochen können knapp sein. Weil alleine ja durch diese Veränderungen im Unternehmen fehlt ja auch ein bisschen die Zeit, ne? Man kann sich ja nicht vier Wochen komplett nur um eine Präsentation kümmern, das geht nicht. Also, komfortabel sind sechs Wochen, dass man schon mal miteinander spricht. Und dieses miteinander sprechen, das ist ja auch eine Situation, dass dieser Mensch, dieser Bereichsleiter, hat ja unter Umständen jetzt in dieser Situation in seiner Firma niemanden, mit dem er so sprechen kann.

Oliver Ratajczak: Ja, im Zweifelsfall geht es ja um seinen Job.

Peter Claus Lamprecht: Genau.

Oliver Ratajczak: Das ist ja dann schon sehr kritisch.

Peter Claus Lamprecht: Die Kollegen, die er so mag und so schätzt. Das kann ja sein, dass sie plötzlich zu Wettbewerbern werden. Gunst des Neuen oder so. Also, wie auch immer, gefährliches Pflaster. So, das heißt, wenn dann so ein Anruf kommt: “Herr Lamprecht, ich habe gehört, Sie können in Situationen helfen, die wirklich wichtig sind, bin ich bei Ihnen richtig?” Das sind einfach so Fragen, und dann sage ich meistens ja, und dann: “Erzählen sie mal, worum geht es denn?” Und dann kriege ich eben manchmal tatsächlich solche Geschichten erzählt. Das und das ist passiert, die und die Herausforderung steht an, ist erst in acht Wochen so weit. Da sage ich: “Super, komfortabel.” Also, sechs Wochen, glaube ich, wäre schon cool, vier Wochen geht auch. Weil, man hat ja gar nicht so viel Zeit, miteinander zu sprechen. Erstmal geht es ja darum, was ist die Situation, was will ich denn, und was für eine Gelegenheit habe ich denn? Wie sieht das denn aus, also wie kann ich denn präsentieren? Und da kann ich auch Fragen stellen, nämlich: Gibt es einen Termin, ist das wie so ein kleines Vorstellungsgespräch, oder gibt es da ein zentrales Meeting, wo dann alle präsentieren? Das sind dann so Fragen, die ich dann stelle, damit mein Kunde dann weiß, ah, okay, jetzt kann ich mich zielgerichtet auf die und die Situation vorbereiten. So. Also, da fängt das erstmal an, ne? Und wenn dann Vertrauen da ist, und auch der Bereichsleiter dann sagt: “Oh, okay, ja, prima, weiß ich, bin erleichtert, ich kann Stichpunkte, ich kann Skizzen, ich kann vielleicht Scribbles, also irgendwas Gezeichnetes dem Lamprecht einfach faxen, ich kann auch Faxe empfangen oder eben einscannen und ich baue dann mal so Powerpoint…

Oliver Ratajczak: Du schickst dann Dias zurück? #IronieAus J

Peter Claus Lamprecht: Genau, richtig. Nein, nein, also dann kommt dann schon mal so ein Gerüst zurück und vielleicht auch so ein, also, das ist dann schon eine Powerpoint Datei, da ist tatsächlich das Programm, was in der Industrie alle verwenden. Also, das ist de facto Gesetz. Das ist der Standard. Dann kann ich eben halt schon eine Datei zurückschicken, erstmal, die eine Struktur enthält. Also, dann ist das für mich so ein Storyboard, ne? Wo man, das könnte man zeigen, dazu das sagen. Und das ist dann etwas, was dann in den folgenden Wochen aufgefüllt wird. Manche Dinge das kann dann nur der Bereichsleiter natürlich machen. Dann wird man am Ende vielleicht die eine oder andere Folie haben, die man noch überarbeiten kann, weil sie jetzt nicht so schick aussieht, das kann ich dann auch machen, damit das dann alles aussieht wie aus einem Guss, und nicht irgendwie zusammengeklöppelt ist. Und weil wir ja immer wieder darüber sprechen, und während dieses Prozesses über diese sechs, vier Wochen die Präsentation ja entsteht, ist natürlich jetzt auch der Bereichsleiter absolut gebrieft. Also, der hat sich mit mir auseinandergesetzt, er ist sich absolut klar darüber, worauf er Wert legen wird, was seine wichtigsten Botschaften und Punkte sind, die er platzieren möchte, und er weiß, er hat eine gute Unterstützung. Eine visuelle Unterstützung, die ihn nicht ablenkt, sondern die ihn bestärkt, in dem, was er sagt. Ne? Und das ist so ein Gesamtprozess, wo ich so sage, ja, da gehen die mit breiter Brust und sehr lässig und souverän rein in so ein Gespräch. Weil sie eben das durchgespielt haben, mit mir im Gespräch vorher.

Oliver Ratajczak: Dazu muss man jetzt aber nicht sich eine Woche in Hamburg einquartieren, das geht auch mit Video, Screensharing, keine Ahnung?

Peter Claus Lamprecht: Genau.

Oliver Ratajczak: Powerpoint, E-Mail.

Peter Claus Lamprecht: … die meisten Kunden kommen tatsächlich aus dem Hamburger Raum, aber das hat vielleicht auch einfach so mit der Vernetzung irgendwie zu tun. Aber Telefon, Skype, also ich habe solche überhaupt kein Problem.

Oliver Ratajczak: Superspannend. Also, wir haben jetzt schon eine ganze Menge der Zeit rum, aber ich glaube, die Hörer haben einen ganz guten Eindruck davon bekommen, warum ich dich gerade eingeladen habe. Weil ich fest davon überzeugt bin, da draußen gibt es einfach viel zu viele schlechte Präsentationen, oder viel zu viele, die schlecht oder zu leichtfertig vorbereitet wurden. Deswegen glaube ich einfach, da muss man sich mal ein bisschen mehr Gedanken drum machen. Und da bist du scheinbar genau der richtige Ansprechpartner. Wo finden denn die Zuhörer mehr über dich?

Peter Claus Lamprecht: Gut, dass du das sagst. J

Oliver Ratajczak: So ein Zufall.

Peter Claus Lamprecht: Ich bin ganz einfach zu finden. Praesentare.com ist die Website, Praesentare natürlich mit AE geschrieben, lateinischer Begriff. Und wenn man dort auf der Seite ist, dann findet man natürlich auch Kontakt und wie man mich erreichen kann. Bei Facebook bin ich natürlich als Peter Claus Lamprecht unterwegs, bei Twitter gibt es ein Praesentare und bei Instagram. Aber die Kunden, die mich anrufen, und sagen: “Bin ich bei Ihnen richtig?”, die kommen über die Website. Was neu ist, das habe ich auf der Website noch gar nicht stehen, ist so ein, Sparring. Das ist ganz aktuell, da habe ich so Preispakete geschnürt, da geht es einfach darum, dass man Stunden, ich sage mal, es gibt zwei, vier und acht Stunden. Alle Projekte, die ich begleite, die sind spätestens nach vier Wochen durch. Also, Präsentationen müssen ja schnell erledigt werden. Und da hatte ich es gerade mit einer Architektin zu tun, die zwei Vorträge hält, und die war extrem dankbar, dass sie mit jemandem sprechen konnte, der ihr gesagt hat, wie man das aufbaut und strukturiert, und der ihr auch noch Tipps gegeben hat, wie man das in Powerpoint selbst lösen kann. Die hat in Viertelstundeneinheiten im Grunde sich die Impulse geholt, die sie brauchte, um selbst ihre Präsentation vorzubereiten. Und das ist gerade eine tolle Geschichte.

Oliver Ratajczak: So einfach kann es sein. Es gibt also keine Ausrede mehr, Mensch, da müsste ich einen Bus voll Berater buchen, nein, bei dir gibt es das sogar Viertelstunden paketweise. Traumhaft.

Peter Claus Lamprecht: Genau.

Oliver Ratajczak: Ja, also ich sage mal, ich danke dir. Das war ja ein kurzes Gespräch, auf einen Kaffee, aber danke. Mir hat es Spaß gemacht, und ich hoffe, den Hörern auch.

Peter Claus Lamprecht: Ganz meinerseits. Dankeschön! Bis bald. Tschüss!